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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Rückblick: Bautechnisches Seminar „Fassaden aus Naturwerkstein“

07.02.2017

Der DNV konnte einen neuen Besucherrekord zum diesjährigen Jahresseminar „Fassaden aus Naturwerkstein“ am 26./27. Januar in Würzburg verzeichnen. Mit 145 Teilnehmern bot der Balthasar-Neumann Saal in der LGA-Zweigstelle Würzburg bis auf den letzten Stuhl einen angemessenen Rahmen. Sieben Referenten teilten ihre Erfahrungen und diskutierten mit den Technikern, Fachlehrern und Sachverständigen im Publikum.

Kurzweilig und kompetent berichteten die Referenten an zwei Tagen im Fassadenseminar über Neuerungen und aktuelle Entwicklungen rund um den Fassadenbau mit Naturwerkstein. DNV-Geschäftsführer, Reiner Krug, stellte die Neuausgabe der ATV DIN 18332 Naturwerksteinarbeiten sowie die überarbeitete Bautechnische Information 1.5 Fassadenbekleidung, beide 2016 erschienen, vor. In seinem nächsten Referat „Massivbauteile im Fassadenbau – Konstruktive Anforderungen“ hob er vor allem die „3 Goldenen“ Grundregeln des Steinbaus hervor: Steingerechte Anwendung, fester Aufstand, feste Verankerung. Eine steingerechte Anwendung bezieht sich laut Krug insbesondere auf die Witterungsbeständigkeit, Belastbarkeit und thermische Verformungen, der Massivteile sowie deren möglichen Abmessungen. Ein unnachgiebiges Auflager zur Aufnahme der Eigenlast der Naturwerksteine und deren Verankerung im Rohbau sichern die Lagestabilität der Massivbauteile.

Als zweiter Referent ging Lothar Rausch, Fachplaner für Energieeffizienz, in seinen Ausführungen auf die Berechnungsmethoden von Wärmebrückenverlusten von Verankerungen ein und erläuterte die Wärmedurchgangsberechnungen nach der Finite-Elemente-Methode (FEM). Anhand ausgewählter Verankerungssysteme gab er einen Überblick zu deren jeweiligen Wärmebrückenwirkung. Er wies auf die Wärmeleitfähigkeit der unterschiedlichen Baumaterialien hin, insbesondere dass Aluminiumlegierungen mit [160 W/(m*K)] einen wesentlich höheren Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit als Edelstahl mit [15 W/(m*K)] zeigen.

Marc Aßmann von PRONAG, Planer für Naturwerksteinbauwerke, stellte beispielhafte Konstruktionen mit massiven Steinelementen anhand vom Stadtschloss Berlin (Musterfassade), Berliner Palais Holler, Dompalais Erfurt und der Rheinuferpromenade in Basel vor.

Sven Schmieder, TU Braunschweig, referierte zum Thema „Brandschutz – Anforderungen an Konstruktionen aus Naturstein“. Er zeigte Lösungsansätze anhand ausgewählter Anwendungsfälle auf, um bauaufsichtliche Anforderungen beim Thema Brandschutz zu erfüllen und wie entsprechende Nachweise hierzu geführt werden können. In den meisten Fällen entspricht der Naturstein der Baustoffklasse A1 (nichtbrennbar). Nur wenn der Gehalt an brennbaren Stoffen (z.B. Kunstharze, kunstharzgebundene Spachtelmassen) über 1 %  liegt, ist eine Prüfung nach EN 13501-1 erforderlich. Prüfungen der Baustoffklasse sind somit bei Natursteinprodukten nur in seltenen Fällen erforderlich. Mit diesem „A1-Nachweis“ sind i.d.R. die bauaufsichtlichen Anforderungen an Wand-, Decken- oder Fassadenbekleidungen erfüllt. Werden Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit gestellt, so gibt es bisher keine allgemeingültigen Nachweise, die hierfür herangezogen werden können. In diesen Fällen sieht er eine Brandprüfung als unerlässlich an.

Joachim Deppisch, LGA Bautechnik GmbH, eröffnete den zweiten Seminartag und sprach über die Anforderungen an die werkseigene Produktionskontrolle. Seiner Zusammenfassung zufolge muss eine funktionale werkseigene Produktionskontrolle sichergestellt sein, indem diese regelmäßig, in geeigneten Prüfintervallen, einen Leistungsnachweis (optisches Erscheinungsbild, Abmessungen, Gesteinsqualität) sowie eine richtige Bewertung der Ergebnisse beinhaltet. Weiterhin muss die Leistungserklärung eine richtige Leistungsdeklaration umfassen (Berücksichtigung von Materialstreuungen, Übernahme von Prüfergebnissen ausländischer Zulieferer).

Anschließend gab Matthias Roik, HALFEN GmbH, einen Überblick über die Gerüstanker, deren Anordnung und Bemessung. Gerhard Krämer von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Mannheim rundete das Programm mit seinem Vortrag über die Anforderung an die Herstellung von Schweißverbindungen an nichtrostenden Stählen nach DIN EN 1090-2 ab.

Kurz vor Seminarende machte Reiner Krug auf die geplante DIN-Normensammlung Naturwerksteine als Sonderdruck für DNV-Mitgliedsbetriebe aufmerksam. Diese beinhaltet neben vertragsrechtlich relevanten Normen (VOB/B und Allgemeine Technischen Vertragsbedingungen der VOB/C), die relevanten und teilweise europäisch harmonisierten Produktnormen der unterschiedlichen Bauprodukte aus Naturwerkstein auch Ausführungsnormen für diverse Bauarten und Bauteile. In der umfangreichen Normensammlung sind alle europäischen Produktnormen für Naturwerkstein sowie wichtige Planungsnormen für Fassaden, Treppen und Estriche enthalten. Interessenten können sich direkt bei der DNV-Geschäftsstelle in Würzburg für die Normensammlung zum Sonderpreis von 198,- Euro vormerken lassen.