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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Naturstein-Vielfalt

Naturstein, das ist einer der ältesten und zugleich faszinierendsten Werkstoffe der Menschheitsgeschichte: keine Epoche der Menschheit ist denkbar, die nicht von diesem natürlichen Material geprägt worden wäre.

Bauen und Leben mit Naturstein zählt zu den ältesten Traditionen der Menschheit: von den Tempeln der Akropolis im klassischen Griechenland, vom Forum in der Hauptstadt des römischen Weltreiches, von den massiven Mauern deutscher Kaiserdome und den filigranen Maß- und Strebewerken gotischer Kathedralen in Frankreich, bis zum floralen Schmuck repräsentativer Jugendstilfassaden zu Beginn unseres Jahrhunderts, ohne Naturstein ist kaum eine Stilepoche der europäischen Baugeschichte vorstellbar. »Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht«, so sang einst Drafi Deutscher, und er hatte mit Kunst und Architektur ganz gewiß nichts im Sinn. Dennoch gibt uns sein Liedchen einen ganz trefflichen Hinweis auf die Festigkeit und vor allem Beständigkeit unterschiedlicher Baustoffe. Selbst wenn wir annehmen können, er habe vom Backstein nur deshalb nicht gesungen, weil das Wort zu sperrig ist (obwohl man hätte reimen können: Marmor, Ziegel, Eisen bricht...), selbst dann hätte er sich sicher nicht dazu verstiegen von Glas, Gipskartonplatten, Plaste oder Elaste zu singen. Mit gutem Grund: Noch immer ist der Stein und vor allem Naturstein der Inbegriff von Festigkeit und Dauerhaftigkeit – sicher ein Grund dafür, warum sich Banken so gern mit ihm schmücken: der Betrachter soll von der Solidität des Materials auf die Solidität des Unternehmens schließen.  Naturstein lebt auch heute aus seiner Struktur heraus; deshalb Schluß mit Prunk, Protz und Politur. Gerade handwerkliche Oberflächenbearbeitungsarten machen Naturstein zu einem lebendigen, vielfältigen Baustoff. Naturstein ist so nicht gleich Naturstein. Gespitz, gestockt, scharriert oder bruchrauh, jede Oberflächenbearbeitung hat ihren ganz eigenen Reiz und erfüllt ganz spezielle Funktionen. Funktionale Baudetails aus Naturstein treten dabei immer stärker in den Vordergrund. Naturstein, das sind so nicht nur oberflächliche Dekorationsarbeiten aus Normfliesen. Natursteine sind heute Funktionsteile, die auch in der zeitgenössische Architektur ihren Platz finden können.  Daneben sind es heute Maschinen, die den Steinen ihre Form geben. Produktionslinie heißt das neue Zauberwort. Naturstein ist heute leicht und einfach, nicht mehr massiv und schwer, nicht mehr umständlich zu bearbeiten, weder teuer oder gar pompös, poliert noch protzig. Diamantbestückte, computergesteuerte Brückenfräsen sind aus den Werkhallen nicht mehr wegzudenken. Was früher mühsam von Hand aus dem harten Stein geklopft werden mußte, das sägt und fräst heute der diamantbesetzte Profilfräser in einem Bruchteil der Zeit. CAD-gesteuerte, Input-Output-kontrollierte Roboter lassen Werkstücke entstehen, die nach kurzer, händischer Überarbeitung fast aussehen wie von Hand gemeißelt, jedoch industriell produziert wurden. Und doch: Natursteine sind immer Unikate: Es gibt kaum einen Baustoff, der so viele Farben und Strukturen aufweist wie Stein. Diese große Vielfalt an Farben und Strukturen wird durch neue Möglichkeiten der Oberflächenbearbeitung nahezu unbegrenzt.