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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Naturstein, weil die Bilanzen stimmen

Natursteinfassaden weisen deutliche energetische Vorteile gegenüber Glasfassaden auf. Dies beweist eine Nachhaltigkeitsstudie, die Naturstein- und Glasfassaden hinsichtlich ihrer ökologischen und ökonomischen Leistungsfähigkeit bewertet.

Der Frankfurter OpernTurm wird in Fachkreisen als das spektakulärste deutsche Bürohochhaus seit Jahren angesehen. Aus energetischen Gründen gaben Stararchitekt Christoph Mäckler und der Bauherr Tishman Speyer einer Natursteinfassade gegenüber einer reinen Glasfassade den Vorzug. Aufgrund der verwendeten Natursteinfassade erhielt der OpernTurm als eines der ersten Bürogebäude Europas den begehrten LEED-Standard des U.S. Green Building Councils in Gold.
Planer, Architekten und Betreiber erkennen vermehrt den enormen Energieverbrauch, der mit dem Bau und Unterhalt gläserner Gebäudehüllen einhergeht. Politik und Medien haben diese Problematik bereits mehrfach aufgegriffen: So gab der bayerische Rechnungshof 2007 eine Empfehlung heraus, bei staatlichen Baumaßnahmen Glasfassaden nur in besonders begründeten Fällen einzusetzen. Der Spiegel verdeutlichte bereits im Jahr 2004 (Ausgabe 47) die Energie- und Kostenexplosion, die die notwendige Kühlung von Glasbauten verursacht.
Der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV) nahm das Interesse an energiesparenden Fassaden zum Anlass, eine Nachhaltigkeitsstudie durchführen zu lassen, die Naturstein- und Glasfassaden hinsichtlich ihrer ökologischen und ökonomischen Leistungsfähigkeit bewertet. Das weltweit tätige Beratungsunternehmen PE International hat diese Aufgabe für den DNV übernommen. Die Studie betrachtet die gesamte Ökobilanz der Glas- und Natursteinfassaden, aufgeteilt in Herstellung, Nutzung und Entsorgung (End of Life), und vergleicht unterschiedliche Fassadenkonstruktionen bezüglich des Verbrauchs von Primärenergie und der Entstehung von Umweltbelastungen. Eine anschließende Kostenbetrachtung ermittelt den Barwert der gebäudebezogenen Nutzungskosten der untersuchten Fassadenvarianten.
Der erforderliche Austausch von Baustoffen innerhalb der Nutzungsphase wird durch den „Leitfaden Nachhaltiges Bauen des Bundesbauministeriums“ bestimmt. Dieser sieht für Naturstein eine durchschnittliche Lebensdauer von 80 Jahren vor. Die gewählte Nutzungsdauer ist eine Konvention und schließt nicht aus, dass die Lebensdauer deutlich höher sein kann.
Ökobilanzstudie - Aufbau
Die vorliegende Studie wurde auf der Grundlage der LCA-Methode (engl. LCA – Life Cycle Assessment) durchgeführt. Darunter versteht man eine systematische Analyse der Umwelteinwirkungen von Produkten während des gesamten Lebensweges („von der Wiege bis zur Bahre“). Dazu gehören sämtliche Umwelteinwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes, sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z. B. Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe).

Ökobilanzstudie – Teil 1
Der erste Teil der Studie befasst sich mit dem Vergleich zweier typischer Fassadenkonstruktionen mit Naturstein und Glas über einen Zeitraum von 100 Jahren. Ein Quadratmeter einer hinterlüftete Natursteinfassade inklusive Wärmedämmung und Stahlbetonwand steht dabei einer flächengleichen Glasfassade mit einer Unterkonstruktion aus Aluminium gegenüber.

Ökobilanzstudie – Teil 2
Teil 2 der Ökobilanzstudie befasst sich mit den folgenden Fassadenvarianten am Beispiel des Frankfurter OperTurms über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren:
• Fassadenvariante 1:
am Opernturm in Frankfurt realisierte Fassade, bestehend aus einer elementierten, hinterlüfteten Natursteinfassade (17 %), einer hinterlüfteten Natursteinfassade nach DIN 18516-3 (33 %), sowie Glaselementen (50 %)
• Fassadenvariante 2:
hinterlüftete Natursteinfassade nach DIN 18516-3 mit einem Fensteranteil von 50 %.
• Fassadenvariante 3:
adäquate Glasfassade, bestehend aus Glaselementen (90 %) und hinterlüfteter Natursteinfassade nach DIN 18516-3 (10 %)