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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Rückblick DNV-Seminar - Bodenbeläge aus Naturwerkstein

Am 25./26. Februar 2021 nahmen erneut Verbandsmitglieder und Sachverständige das Weiterbildungsangebot des DNV wahr. Diesmal wurde das Thema „Boden- und Treppenbeläge aus Naturwerkstein“ online abgehalten. Über 60 Teilnehmer verfolgten die Fachvorträge vor Ihrem PC.

Nach Seminareröffnung durch DNV-Präsident Hermann Graser, stellte Johannes Kern die Neuausgabe BTI 2.1 – Fußbodenbeläge, innen vor und ging dabei gezielt auf die wesentlichen Änderungen ein. Vor allem die zunehmende geringe Akzeptanz von Bauherren sowie Architekten und Planern für die typischen Farb-, Struktur- und Texturschwankungen des Natursteins macht den ausführenden Firmen zunehmend Probleme und deshalb wurde das Kapitel “Bemusterung“ erweitert. Was früher als Patina geschätzt wurde, wird heute oftmals als Mangel angesehen und beanstandet. Heute werden eher homogene Bodenbeläge mit großformatigen Platten gewünscht. In der überarbeiteten Version werden Empfehlungen für die Mindestplattendicken in Abhängigkeit von der Biegefestigkeiten aufgenommen. Weiterhin verwies er explizit auf die Themen Mörtel und deren Applikationsverfahren für Innenarbeiten sowie die geforderte Protokollierung der Belegereife und die Kontrolle des Vorgewerks durch Sichtprüfungen.

Reiner Krug fasste im Anschluss die wesentlichen Änderungen der BTI 1.4 Bodenbeläge im Außenbereich zusammen. Die neue Richtlinie enthält Empfehlungen für Balkon- und Terrassenbeläge mit den üblichen Verkehrsbelastungen von max. 4 kN/m² sowie für Verkehrswege außerhalb des Straßenverkehrs. Hinweise zur Bemessung der Plattendicken von befahrenen Bodenbelägen sind ebenfalls enthalten. Er machte noch einmal deutlich, dass die Entwässerung der Belagsoberflächen und des Untergrundes bei der Planung „das A und O“ sind. „Wasser muss gezielt abgeleitet werden“, betonte Krug weiter. In Bezug auf Tausalz machte er deutlich, dass feste Aufstreumittel statt Streusalz zu verwenden sind. Auf der Webseite des Umweltzeichens „Blauer Engel“ sind Hinweise zu Frostschutzmitteln ohne Salz zu finden.

Besondere Aufmerksamkeit sind den Türanschlüssen im Außenbereich zu widmen. Die in den Abdichtungsnormen enthaltene Forderung, dass die Höhe der vertikalen Abdichtung mindestens 15 cm über der Oberkante der Beläge hochgeführt werden muss, wird aufgrund der notwendigen Schwelle oftmals nicht erfüllt. Niedrige Türanschlüsse mit mindestens 5 cm Höhe sowie barrierefreie Türanschlüsse, die den Einbau einer Entwässerungsrinne erfordern, sind Sonderkonstruktionen, die vorab vertraglich vereinbart werden müssen.
            
Ein sehr aktuelles Thema beleuchtete Karl-Hermann Gerloff mit seinen Ausführungen zu Bodengleichen Duschen. Er stellte Beispiele für den privaten Bauherren und im Hotelgewerbe vor, bei dem hohe Anforderungen an den Schallschutz bestehen. Die überlappenden Anschlüsse der Abdichtungen in Eckbereichen sowie an vorgefertigte Duschtassen und Abläufen erfordern eine hohe handwerkliche Ausführungsqualität. Zusätzlich ist die gezielte Wasserableitung zu planen.  „Im privaten Bereich ist beispielsweise bei einer 1,50 x 1,50 m Dusche mit Eckablauf ein Gefälle von 1,5 % einzuplanen“, verdeutlichte er anhand von Schaubildern.

Über Abdichtungen für Balkone und Terrassen referierte Marcus Winkler. Da die Funktion der Abdichtung unter den erwartenden Bewegungen keinen Schaden nehmen darf, stellte er fünf wesentliche Grundprinzipien vor: Schnell erhärtende Verlegemörtel bevorzugen, da diese eine schnellere Witterungsbeständigkeit aufweisen; Auswahl von Dünnbettmörteln, welche Kunststoffe mit hoher Feuchtigkeitsstabilität enthalten; 2-komponentige Dünnbettmörtel verwenden, da diese in der Regel ein höheres Haftspektrum und eine höhere Feuchtigkeits- und Frost-Tauwechsel-Beständigkeit aufweisen; Verlegearbeiten möglichst nicht unter 10°C ausführen; Belag bis zur vollständigen Erhärtung vor „negativen“ Witterungseinflüssen schützen. „So lassen sich Schäden am ehesten vermeiden“, legte er den Teilnehmern ans Herz.

Reiner Krug beendete den ersten Seminartag mit seinen Ausführungen über Innenwandbekleidungen. Er verwies auf die BIV-Merkblätter für Wandbekleidungen im Innenbereich sowie für Naturstein im Nassbereich und kündigte an, dass im Herbst eine neue Version der BTI 2.4 Wandbekleidungen des DNV erscheinen wird. Ein statischer Nachweis ist bei Wandbekleidungen im Innenbereich nicht erforderlich; bei Anpralllasten ist eine Hintermörtlung zweckmäßig.

Beim Versetzen von Wandbekleidungen muss insbesondere darauf geachtet werden, dass die Ansetz- und Verlegeflächen ausreichend ebenflächig, tragfähig, trocken und frei von durchgehenden Rissen sein müssen. Bei Stoffen, welche die Haftung des Mörtels beeinträchtigen (z. B. Trennmittel, lose Bestandteile, Staub, Absandungen, Bindemittelanreicherungen, Ausblühungen, Verschmutzungen) sind besonders Maßnahmen erforderlich. Starre Baustoffe wie Beton und Mauerwerk sind für tragende Untergründe zu bevorzugen. Bei nicht tragfähigen Untergründen oder sehr großen Auskragungen kann sogar eine Unterkonstruktion notwendig werden. Weiterhin sind die Toleranzen der Ansetz- und Verlegefläche soweit zu minimieren, dass die Anforderungen der DIN 18202 an die fertiggestellten Oberflächen erfüllt werden. Eine gegebenenfalls erforderliche Spachtelung ist als Besondere Leistung zu vergüten.

Den Auftakt zum zweiten Seminartag machte Reiner Krug zum Thema Bemusterung von Naturwerkstein. Naturstein ist ein Naturprodukt, dessen entstehungsbedingten Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Heute wollen alle einen perfekten homogenen Stein, Naturstein ist aber nicht perfekt. Sortierungen der Natursteinprodukte sind daher Besondere Leistung entsprechend DIN 18332 und die Bemusterung ist zu protokollieren vertraglich zu vereinbaren. Ausführende Fachbetriebe sind in der Pflicht, ihren Auftraggebern unterschiedliche Varietäten der Natursteinvorkommen und deren Oberflächenbearbeitungen anhand von geeigneten Mustern zu erklären. Natursteine aus dem gleichen Vorkommen können Farb-, Struktur- und Texturunterschiede aufweisen, die auch durch die Oberflächenbearbeitung beeinflusst werden. Bei einer Bemusterung ist daher immer eine Bandbreite der möglichen Farb-, Struktur- und Texturschwankungen festzulegen.

Im Anschluss ging er noch auf Bewegungsfugen in beheizten Bodenkonstruktionen ein. „Unsere Bauteile sind Formveränderungen ausgesetzt. Ursachen dafür sind Austrocknen und Schwinden, Belastung, Veränderung des Feuchtegehaltes und vor allem Temperaturänderung. Der Bauwerksplaner muss daher einen Fugenplan erstellen und den Ausführenden vorlegen. Fehlt der Fugenplan, sind vom Verleger Bedenken anmelden. Bewegungsfugen innerhalb der Estrichfläche sind ggf. gegen Höhenversatz zu sichern, dies ist insbesondere bei befahrenen Bodenbelägen zu empfehlen“, fasste Reiner Krug zusammen. Hinweise zu den erforderlichen Bewegungsfugen mit den empfohlenen Abständen und Feldgrößen sind in der BTI 2.1 enthalten.

Treppenbeläge aus Naturstein von A bis Z veranschaulichte Harald Zahn anhand von Praxisbeispielen. Hierzu stellte er seine zehn Gebote vor: eine Treppensteigung darf nicht höher als 19 cm sein; der Auftritt darf nie kleiner als 26 cm sein; die Kopfhöhe muss mindestens 2 m betragen, bei bis zu zwei Wohnungen muss ich eine Laufbreite von 80 cm haben – auch zwischen den Handläufen; ab drei Wohnungen eine Laufbreite von 100 cm; nach 18 Stufen ist ein Podest zu verbauen, bei freitragenden Stufen darf der Wandabstand, von der Stufe zur Wand hinten, nicht über 6 cm sein (Kinderfüße könnten sonst reintreten); die Toleranz muss 5 mm im Auftritt und in der Steigung sein, die erste Stufe darf 1,5 cm Toleranz haben (bei bis zu zwei Wohnungen); die Geländerhöhe muss 90 cm haben; DIN 18065 Gebäudetreppen ist hierbei als baurechtlich eingeführte Norm verpflichtend.


Kontakt:

Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.
Reiner Krug / Jana Kern
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97070 Würzburg
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Fax    09 31.1 45 49
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