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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Weiterbildung 2.0 hoch im Kurs

Zwei Tage lang konnten sich Verbandsmitglieder, Sachverständige und Lehrkräfte online zum Bautechnischen Fortbildungsseminar „Fassaden aus Naturwerkstein“ des DNV im Januar weiterbilden. Erstmalig wurde das Seminar per Videoübertragung durchgeführt - über 80 Zuhörer nahmen dieses Angebot wahr.

Schwerpunktthema war die Neufassung der Bautechnischen Information „BTI 1.5 Fassadenbekleidung“, vorgetragen von DNV-Geschäftsführer Reiner Krug, die in Kürze veröffentlicht wird. In dieser Richtlinie sind die wesentlichen Anforderungen und Konstruktionsregeln von hinterlüfteten Außenwandbekleidungen aus Naturwerkstein dargestellt. Dabei werden die anerkannten Regeln der Technik sowie die aktuell geltenden Normen vorgestellt und kommentiert.

 

Sonderlasten berücksichtigen

Neben den allgemeinen Konstruktionshinweisen ging Krug auf Sonderlasten im Fassadenbau ein, die nicht in DIN 18516 geregelt sind und daher einer besonderen Vereinbarung bedürfen. Beispielsweise führte das hippe Fassadenlaufen eines Event-Anbieters zu erheblichen Beschädigungen, da durch das Belaufen die Halteanker verformen und Ausbrüche an den Ankerdornen entstehen.
 
Oliver Brötz berichtete über Schäden im Fassadenbau aus seiner alltäglichen Berufspraxis als ö.b.u.v. Sachverständiger und zeigte typische Problemfälle sowie deren Lösungen.

Verankerung an Holzbauten

Ein durchaus innovatives Thema beleuchtete Janis Beresheim, der über Verankerung von Fassaden an Holzbauwerken sprach. Da Holzbauweisen zunehmend im Trend liegen, muss sich die Naturwerksteinindustrie in Zukunft stärker mit dem Thema der Verankerung von Fassadenplatten an Holzbauwerken auseinandersetzen.


„Holz ist dabei nicht gleich Holz. Die Holzsorte und deren Faserrichtung, die Umgebung als auch die Art der Belastung spielen hier eine wesentliche Rolle“, betonte Beresheim.


Joachim Deppisch sprach über Bauteilversuche und statistische Auswertung von Prüfergebnissen als Grundlage für Nachweise der Standsicherheit. Er erläuterte, welche Prüfungen als Grundlage für die Leistungserklärungen und die CE-Kennzeichnungen dienen und welche zusätzlichen Nachweise für die baupraktische Tauglichkeit sinnvoll sind. Die erforderlichen Standsicherheitsnachweise erfolgen heute auf Basis eines Teilsicherheitskonzeptes gemäß DIN 18516-3.

Richtig bemustern

Reiner Krug eröffnete den zweiten Seminartag mit seinen Ausführungen zur Bemusterung von Naturwerkstein. Er betonte, dass eine Bemusterung nicht für Steinsorten geeignet ist, die hohe Farb-, Struktur- und Texturschwankungen innerhalb eines Vorkommens aufweisen. Denn oftmals werden die Steine erst abgebaut, wenn die Bemusterung abgeschlossen ist. Die Bandbreite des Erscheinungsbildes ist daher vorzugsweise an Referenzbauten zu besichtigen und zu vereinbaren. Insbesondere muss die Bezugsprobe die spezifischen Merkmale des Gesteins, wie z. B. typische Poren, Aderungen, Flecken, Kristalladern und rostige Flecken, aufweisen. Die Bezugsprobe fordert nicht die strenge Gleichförmigkeit zwischen der Probe selbst und der tatsächlichen Lieferung; natürliche Schwankungen dürfen immer auftreten.


Andreas Thiele beendete die Jahrestagung mit dem Thema Vergütungsanpassungen bei Bauablaufstörungen. Inhaltlich ging er auf Anspruchsvoraussetzungen, Anspruchsgründe, Kalkulationsgrundlagen und die Bewertung der Höhe ein. Jüngste Urteile des Bundesgerichtshofs rundeten seinen Vortrag ab.

„Unsere Seminare leben von dem persönlichen Kontakt und dem gemeinsamen Austausch. Daher ist die Liveübertragung über das Internet Corona-bedingt für uns eine gute Alternative, aber ersetzt nicht die gewohnte Begegnung. Das gewählte Format mit der Nutzung einer Videoübertragung der Referenten neben der Präsentation der Vortragsfolien wurde jedoch gut angenommen und gelobt“, resümiert Reiner Krug.


Das aktuelle Seminarprogramm des DNV finden Sie unter.
www.natursteinverband.de/aktuelles/termine/seminare.html