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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Werkbericht: Katholische Kirche St. Fidelis Stuttgart - Einreichung zum Deutschen Naturstein-Preis 2020

"Die homogene Farbgestaltung nach dem Vorbild der Wiederaufbauphase durch Hugo Schlösser und der durchgängige Fußbodenbelag aus römischem Travertin fördern die Klarheit und den Zusammenhang im Raum."

Fotos 1-4: Zooey Braun

Die katholische Kirche St. Fidelis wurde vor fast 94 Jahren erbaut. Am Kirchengebäude von Clemens Hummel lässt sich der Übergang vom Historismus zur „Neuen Sachlichkeit“ und die damit verbundenen kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche der 20er Jahre beispielhaft ablesen. Der Wiederaufbau nach dem Kriegsschaden von 1944 durch Hugo Schlösser und die Umbauten 1964 nach dem zweiten Vatikanum durch Rudolf Schwarz führten dazu, dass die schon ursprünglich Ambivalenz des Kirchenraums durch immer neue Sanierungen zu einer fehlenden Klarheit und Kohärenz des Raums geführt haben.

Kirchen sind besondere Orte. Wann berührt uns ein Kirchenraum? Wann erleben wir diese besondere Wirkung, dass Raum, Leib und Gefühl eins werden?

Das 94-jährige Kirchenbauwerk mit seiner Ambivalenz und besonderen Geschichte bleibt präsent. Die homogene Farbgestaltung nach dem Vorbild der Wiederaufbauphase durch Hugo Schlösser und der durchgängige Fußbodenbelag aus römischem Travertin fördern die Klarheit und den Zusammenhang im Raum. Der Kreuzwegbilderzyklus von Georg Meistermann wurde eindeutig in die neu verputzte Wandfläche der Seitenschiffe eingelassen. Die Heiligenfiguren und Opferkerzen werden auf Steinsockeln in ausgerundeten Nischen gefasst, ähnlich dem Vorbild Klenzes in der Münchner Glyptothek.

Die künstlerische Gestaltung von Ambo und Altar durch den Künstler Martin Bruno Schmidt reagiert auf die neue Gottesdienstform der „Communio-Kirche“. Die einem Monolith entnommenen liturgischen Gegenstände spannen eine Raumachse auf, die zum Mittelpunkt im Raum wird und um die sich die Gemeinschaft der Gläubigen versammeln kann. Der Natursteinquader aus Römischem Travertin wurde im Steinbruch der Familie Conversi in Tivoli ausgewählt und durch die Firma Lauster Steinbau in Maulbronn bearbeitet.

Der ursprüngliche Chorraum bleibt erhöht und wird zum Ort für den Raum der Stille. Dieser thermisch und akustisch abtrennbare Raum ist das Herzstück des Spirituellen Zentrums und ermöglicht Meditation und Gebet in der Stille.

Durch die umfassende technische und gestalterische Sanierung der Kirche ist ein homogener Innenraum mit reduzierten Details und Klarheit entstanden, der den historischen Rahmen der Kirche respektvoll fasst und durch den Raum der Stille in die kirchliche Zukunft verweist.  
Der auf das Wesentliche reduzierte Kirchenraum soll ein schlichtes, starkes und wirksames Zeichen für die Wirklichkeit Gottes sein. „Gott ist Licht“ wird im Kirchenraum erlebbar.

Naturstein: Travertin


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schleicher.ragaller architekten bda
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