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Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V.

Besondere Anerkennung Kategorie A

Grimmwelt Kassel
kadawittfeldarchitektur, Aachen

Foto: Jan Bitter, Berlin

Der interessanteste Weg zur Grimmwelt führt vom Fuße des Weinbergs über Treppen und Terrassen, bergan vorbei an Stützmauern und einer aufgelassenen Gärtnerei. Die Anstrengung wird belohnt, je höher man sich von der Frankfurter Straße entfernt, desto weniger tost der Verkehr und umso idyllischer wird der Ort.
Die letzte Treppe ist besonders großzügig und führt zu einer 2.000 m² großen Terrasse mit einem grandiosen Ausblick auf ­Kassel bis zur Wilhelmshöhe und zum ­Herkules.
Nicht jeder Besucher wird sofort merken, dass er bereits auf dem Dach des Grimm-Museums steht, so selbstverständlich fügt sich das Gebäude in die Topographie und mit seiner Materialität in die umgebende denkmalgeschützte Parklandschaft ein.
Von der Tag und Nacht öffentlichen ­Dachterrasse führt gegenläufig eine kleinere, nach unten schmaler werdende, Treppe zum Haupteingang an der Weinbergstraße.
Die Fassade aus unregelmäßig hohen Lagen Gauinger Travertin orientiert sich farblich und von der Oberflächenstruktur her an den bestehenden historischen Stützwänden aus Kalkstein.
Das Gebäude nutzt virtuos die Qualitäten des Natursteins sowohl als gespaltenes Fassadenmaterial, als auch als gestrahlte Bodenplatten. Die Verwendung des glei-chen Materials mit unterschiedlichen Stärken und Oberflächen bei Wand und Boden lässt das Bauwerk so harmonisch und doch selbstbewusst im Kontext der Umgebung erscheinen.


Besucherhaus Hambacher Schloss,
Neustadt an der Weinstraße
Max Dudler, Berlin

Foto: Stefan Müller, Berlin

Der für die deutsche Geschichte so be-deutsame Ort des Hambacher Schlosses wurde nach Renovierungen und baulichen Erweiterungen um ein Besucherhaus unterhalb des Schlosses ergänzt. Das Gebäude nimmt in seiner einfachen, im Grundriss leicht geknickten Grundform geometrisch Bezug zur äußeren Ringmauer auf und ordnet sich in seinem archetypischen Aufriss eines zweigeschossigen Gebäudes mit geneigtem Dach der Schloss­anlage unter. Trotz der Kenntlichmachung der Funktion als Nebengebäude wirkt das Haus gerade durch seine monolithische Erscheinungsform kraftvoll und unübersehbar und wird damit seiner Funktion als Anlaufstelle für die Besucher der Schlossanlage gerecht. Der Naturstein, Leistädter Sandstein aus örtlichen Vorkommen, welcher bereits in den historischen Bauten verwendet wurde, überzieht Wand und Dach und verankert das Gebäude als selbstverständlichen Baustein der Gesamtanlage an den Ort. Die massiv aufgemauerte Fassade und deren Oberflächenbehandlung, die Fugenausbildung sowie die Detailausbildung im Übergang von Wand zu Dach unterstreichen die Wirkung als monolithisches, zeitlos erscheinendes und ausgesprochen wertiges Gebäude. Die Symbiose von Form und Material ist hervorragend gelungen und der Gesamtanlage und ihrer Bedeutung angemessen.


Fassade Hainspitze, Leipzig
O&O Baukunst, Florian Matzker, Berlin

Foto: Stefan Müller, Berlin

Eine seit den Zerstörungen des Krieges städtebaulich ungelöste Situation hat endlich ihre würdige Vollendung gefunden - die historische Achse Hainstraße / Brühl glänzt wieder in der Neuinterpretation der traditionellen Messepalastfassaden der Leipziger Innenstadt.
Sensibel werden die historischen Raumkanten nachgezeichnet und die historische „Spitze“ ausformuliert. Mustergültig interpretiert der Gebäudekomplex in seiner Maßstäblichkeit und Proportion den Bezug zu der vorhandenen Bebauung, wobei die Wertigkeit der prägenden Bebauung der Hainstraße zum eindeutigen Wesensmerkmal der Architektur erklärt wird.
Geschickt ist es gelungen durch die Überlagerung von prismatischen, schräggestellten Glaselementen und einer klaren Struktur aus natursteinverkleideten Raumstrukturen Prägnanz zu erzielen. Folgerichtig entwickelt sich dadurch eine Höhen-Tiefen-Hierarchie, die wohltuend mit dem vorgefundenen städtebaulich-räumlichen Umfeld korrespondiert.
Die „Rhythmik“ der Höhenentwicklung in den engen Straßenräumen wird somit spielerisch erreicht. Die Baumasse des integrierten Kaufhauses transformiert sich wohl­tuend ruhig in den Raum. Eine unangemessene Dominanz konnte vermieden werden.
Gleichzeitig zeigt sich das Gebäude als selbstbewusster Beitrag zur Lösung der schwierigen Situation im Bereich Brühl / Hainstraße / Fleischergasse – auch im Zusammenhang mit der teilweisen Neubewertung dieses städtebaulichen Bereichs.
Eine zusätzliche Qualität erhält das Gebäude durch die klare Interpretation des Natursteins mittels vertikaler und horizontaler Gliederung. Durch die einheitliche Verwendung des hellen Travertins wird dem Gebäude städtebaulich-architektonisch eine würdevolle Eleganz verliehen.
Die große Baumasse ordnet sich auf Grund des gewählten Maßstabes und seiner modernen Ausdrucksweise in der Spielart von Höhe und Tiefe gut in den Duktus der Leipziger City ein. Das Gebäude leistet damit einen qualitätsvollen Beitrag zum Bauen in der Stadt.


Bundesministerium des Innern, Berlin
Thomas Müller Ivan Reimann ­Architekten, Berlin

Foto: Stefan Müller, Berlin

Für das große Verwaltungsgebäude des Innenministeriums in Sichtweite des Bundeskanzleramts und des Berliner Hauptbahnhofs in Berlin wurde eine geometrisch prägnante Grundrissform als Antwort auf den unregelmäßigen Grundstückszuschnitt und im Aufriss eine dynamische Staffelung der Gebäudevolumina entwickelt.
Die klare Ausbildung der Straßen- und Platzräume mit der Ausbildung von zwei großzügigen Eingangsplätzen und die Staffelung des Gebäudes in seiner Höhen- und Tiefenentwicklung vernäht das Gebäude mit seinem stadträumlichen Umfeld. Die dem Maßstab der Stadt angemessene Konturierung der Baumassen verleiht dem Gebäude eine qualitätvolle Selbstverständlichkeit, welche von der präzisen Ausgestaltung der Fassaden unterstützt wird.
Der ausgewogen akzentuierte Spannungsaufbau von vertikalen und horizontalen Gliederungen wird unterstützt durch die rhythmisierte Fassadengliederung. Die Natursteinfassade aus geschliffenem Dietfurter Kalkstein verleiht dem Gebäude die ihm angemessene dauerhafte Wertigkeit und betont den skulpturalen Charakter und die markante Kubatur. Über dem massiven Sockel aus gleichem Material, der sich aus dem bestehenden Geländeversprung entwickelt, steigt die fein profilierte Fassade auf. Öffnungen entsprechend der jeweiligen Funktionen wie Eingänge, Konferenzzentrum, Büroräume und Anlieferung sind in die Fassade eingeschnitten und durch natursteingefasste Rahmen betont. Durch einseitig schräge Laibungen in den Obergeschossen er-­scheint die Fassade als umlaufende, filigrane Struktur mit schlanken, vertikalen Öffnungen. Der Naturstein wurde so eingesetzt, dass seine Oberflächenqualitäten und seine Farbigkeit bestmöglich zum Vorschein kommen und er das gute Gesamterscheinungsbild wesentlich positiv bestimmt.


Berlin.Stresemann.Quartier, Berlin
BERND ALBERS Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Foto: Stefan Müller, Berlin

Das Ensemble des Stresemann Quartiers fügt sich mit seinen drei unterschiedlich großen Bürohäusern wohltuend in die vorhandene Bebauung am Potsdamer Platz.
Bemerkenswert ist die großzügige Gestaltung des für Fußgänger offenen kreisrunden Platz im Zentrum des Quartiers, der über drei Torbauten zugänglich ist und die Verbindung zwischen den umliegenden Straßen und der vorhandenen Bebauung herstellt.
Die Massivität der Natursteinarbeiten des 2-geschossigen Sockels und der Torbauten wird durch die filigranen Pfeiler aus hellen Kalkstein in den oberen Geschossen, die eine flexible Grundrissgestaltung der Büroräume ermöglichen, hervorgehoben.
Am Ensemble des Stresemann Quartiers überzeugt das hohe Präzision ausstrahlende Gefüge der Kalksteine in seiner großzügigen räumlichen Wirkung.


Zentrale des Bundesnachrichtendienstes, Berlin
Jan Kleihues, Berlin

Foto: Stefan Müller, Berlin

Das sehr große und weiträumige Bürogebäude bietet durch seine Gliederung gut belichtete, angenehme Arbeitsplätze von hoher Qualität und schafft trotz seiner Bauweise eine Annäherung an den stadträumlichen Kontext.    
Von Ferne betrachtet entfalten längere und kürzere Bauteile mit dazwischen liegenden Grünflächen eine skulpturale Wirkung.
Je näher man dem Gebäude kommt, nimmt der Detailierungsgrad zu. Während für die großen Baukörper eine Blechfassade gewählt wurde, ist der Sockel und das Erdgeschoss des Hauptgebäudes, sowie die beiden Torhäuser mit einem offenporigen, grob strukturierten Naturstein verkleidet.
Die Torhäuser grenzen direkt an den öffentlichen Raum und sind fein detailliert:  in sich symmetrisch, gliedern sie sich wohlproportioniert in ein eher gewichtiges Sockelgeschoß und einen durch eine Schattenfuge abgesetzten, leichten mehrgeschossigen Aufbau mit einer Fassade aus feingliedrigen Natursteinlisenen.
Rücksprünge in der Fassade lassen eine angenehme Licht- und Schattenwirkung entstehen, die die bewusst plastische Ausformung der Fassade zum Ausdruck bringt. Der grob geschliffene, gemaserte Travertin ist vorgehängt und hinterlüftet. Versiegelte, besandete Fugen und L-winkelförmige Formsteine in den Fensterlaibungen bewirken zusammen mit der abdeckblechfreien Innenentwässerung ein homogenes Erscheinungsbild.
Im Gebäudeinneren liegen in verschiedenen Varianten Böden aus Anröchter Dolomit und Terrazzo.
Besonders beeindruckt, dass trotz der sehr hohen Sicherheitsanforderungen ein Gebäude entstanden ist, das sich in die Großstadt Berlin einfügt.

Besondere Anerkennungen

Kategorie A
  • Grimmwelt Kassel

  • Besucherhaus Hambacher Schloss, Neustadt an der Weinstraße
  • Fassade Hainspitze, Leipzig

  • Bundesministerium des Innern, Berlin
  • Berlin.Stresemann.Quartier, Berlin
 Kategorie B
  • Neugestaltung der Mainuferpromenade mit Hochwasserschutz, Miltenberg
  • Klosterhof Benedictinerabtei Ettal
  • Krönungsweg Pergola, Dom Römer Areal, Frankfurt am Main
Kategorie C
  • Staatliches Museum für Archäologie, Chemnitz (smac)
  • Palais Holler, Berlin
  • Goldene Waage – Dom Römer Areal, Frankfurt am Main
Kategorie D
  • Steinhaus in Vicosoprano, Schweiz
  • VILLA V KUBUS², Rösrath
  • GUARDIAN – Berlin Mitte